DIE METHODEN

Was ist ein Projekt?
Als Projekt bezeichnet man eine abgeschlossene Einheit von Tätigkeiten und Aktionen, die mit dem Ziel unternommen werden, einen definierten Bedarf im Rahmen festgelegter Fristen und des zugeteilten Budgets zu erfüllen. Im Gegensatz zu Arbeitsprozessen, die repetitiven Charakter vorweisen, zeichnen sich Projekte im Wesentlichen durch Innovativität und Einzigartigkeit aus.

Ein Projekt stellt eine temporäre Aktion dar, die Anfang und Ende besitzt und, im Laufe ihrer Umsetzung, bestimmte Ressourcen (personeller, materieller, informativer und finanzieller Natur, Ausstattung, Rohstoffe) mobilisiert. Ein Projekt verursacht Kosten und unterliegt daher einer Budgetierung der finanziellen Mittel sowie einer vom Unternehmen unabhängigen Bilanz.
Die erwarteten Ergebnisse des Projekts werden als „Liefergegenstand“ bezeichnet.
 

Projektmanagement, was ist das?
Projektmanagement oder Projektleitung ist ein Vorgehen, das darauf abzielt, den ordnungsgemäßen Ablauf eines Projekts zu strukturieren, zu sichern und zu optimieren. Es sollte komplex genug sein, um folgendes gewährleisten zu können:

  • zeitgerechte Planung
  • Budgetierung (vorhergehende Untersuchung der Kosten und Vorteile bzw. der erwarteten Einkünfte, Finanzierungsquellen, Analyse operativer und finanzieller Risiken, sonstiger Auswirkungen etc.)
  • Beherrschung und Steuerung der Risiken
  • Erlangung des gewünschten Qualitätsniveaus
  • Intervention zahlreicher Stakeholder: Zweck von Organisationen, die fachliche und technische Projektleitung identifizieren
  • Ernennung eines Projektleiters (einheitliches Projekt) oder eines Projektdirektors (Projektreihe)
  • Einrichtung eines Lenkungsausschusses
  • Verfolgung wichtiger operationeller und finanzieller Herausforderungen
     

Die Zielsetzung muss deutlich, in Zahlen und mit einem Datum versehen, festgelegt werden. Das Ergebnis sollte, zu den geringsten Kosten und der bestmöglichen Frist, den vordefinierten Qualitätsnormen und Leistungsstandards entsprechen.

Einige Begriffe, die man unbedingt kennen sollte:

  • Der Auftraggeber: ist für die Definierung der Funktionalitäten, für End-to-End-Prüfungen sowie für die Annahme der technischen Entwicklung verantwortlich.
  • Der stellvertretende Auftraggeber: ist in die oben erwähnten Tätigkeitsbereiche involviert, unter der Zuständigkeit des Auftraggebers.  
  • Der Projektträger: ist für die technische Umsetzung eines Projekts verantwortlich, unter den Bedingungen bezüglich der Frist, der Qualität und der Kosten, die vom Auftraggeber vertraglich festgesetzt sind.
  • Der Zulieferer: ist in die technische Umsetzung eines Projekts involviert, unter den Bedingungen bezüglich der Frist, der Qualität und der Kosten, die vom Auftraggeber vertraglich festgesetzt sind.


Sachlich formuliert, handelt es sich bei dem Auftraggeber um einen funktionellen Spezialisten oder eine Führungskraft aus der Abteilung für Organisation, die das Projekt im Auftrag des Unternehmens leitet. Der stellvertretende Auftraggeber ist ein Junior Consultant oder ein Mitglied der Abteilung für Organisation, der an der Ausarbeitung der Funktionsspezifikationen und der Durchführung von Tests beteiligt ist. Der Projektträger ist der IT-Projektleiter, der Zulieferer kann ein technischer Analyst oder ein Entwickler sein.
 

Die Tendenz zur Normierung des Projektmanagements
Die Leistung eines Projektmanagers (Kontrolle der Risiken und der Qualität der Liefergegenstände) hängt ab von:
1/ seiner Erfahrung und 2/ der Fähigkeit, von der Erfahrung der anderen Projektleiter zu profitieren.

Experten im Bereich Projektmanagement haben seit Langem die Vorteile einer Standardisierung der Methoden erkannt. Seitdem sind Referenzsysteme wie HERMES, PRINCE2, PMBOK etc. auf dem Markt erschienen, die Sachkundigen, seit den 70er Jahren, Guidelines und nützliche Hilfsmittel zur Verfügung stellen.
Seit einigen Jahren ist es außerdem möglich, sich im Bereich Projektmanagement zertifizieren zu lassen, um sich anschließend, ob als Fachberater oder als angestellter Arbeitnehmer, besser zu verkaufen.

Doch ist diese Zertifizierung allein ein Garant für Seriosität?
Keine Zertifizierung kann Ihre Fähigkeit, ein Projekt erfolgreich zu leiten, beurteilen: Ein schlecht geleitetes Projekt übersteigt die ursprünglichen Schätzungen 3 bis 5 mal. Ein erfolgreich geleitetes Projekt hingegen… übersteigt die ursprüngliche Schätzung nur um ein Zweifaches.

Zertifizierung
Keine Zertifizierung sagt etwas über Ihr Charisma und Ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten aus: Selbst ein technisch erfolgreich geführtes Projekt (in dem sämtliche Etappen und alle vorgesehenen Dokumente umgesetzt wurden) kann einzig an der Persönlichkeit des Projektmanagers scheitern.

Keine Zertifizierung kann jemals die Fehler ausmerzen, die mit der Unkenntnis des Business in Verbindung stehen:
 

Kurzum, selbst wenn die Leitung eines Projekts zunächst eine gehörige Portion Pragmatismus, gepaart mit sozialen Qualitäten, erfordert, kann die Fachkenntnis des Gewerbes Ihres Kunden durch nichts ersetzt werden.

Wir beschreiben die wichtigsten Referenzsysteme und die existierenden Zertifizierungen in der folgenden Tabelle.

Referenz-system

HERMES ICB PMBOK PRINCE2

Akronym

Handbuch des Elektronischen Rechenzentren des Bundes, Methode für die Entwicklung von Systemen IPMA Competences Baseline Project Management Body Environments PRoject IN Changing Environments

Ursprung

Schweizerische Eidgenossenschaft - 1975

IPMA - 1965 PMI - 1969 Simpact Systems Ltd - 1975 Office of Government for Commerce (OGC) - UK - 1989

Eigentümer

Informatiksteuerungs-organ des Bundes (ISB) - Schweizerische Eidgenossenschaft

International Project Management Association (IPMA) Schweiz

Project Management Institute (PMI) - USA

Public Domain Certifications und Vorlagendatei geleitet durch die ATM Group Ltd - UK

Neuauflagen

1986 / 1995 1985 / 1999 / 2006 1987 / 1996 / 2000 / 2004 1975 / 1989 / 1998 / 2001

Merkmale

Normative Projektmanagement-Methode

Referenzsystem für Kompetenzen im Projektmanagement & Bewertungsmodelle dieser Kompetenzen - bietet keinen Standard oder methodischen Bezugsrahmen für Projektmanagement an
 

PMBOK bestimmt die besten Praktiken im Bereich des Projektmanagements, darunter fünf Prozessgruppen und neun Kompetenzbereiche
- PMBOK bestimmt zudem die Interessensvertreter (Stakeholder)
- PMBOK definiert schließlich drei Typen von Liefergegenständen, die sich auf das Projektmanagement, die Qualitätssicherung und die Produkte (im objektiven Sinne des Projekts) beziehen

Normative Projektmanagement-Methode (Bsp. Liefergegenstände)
- PRINCE2 legt den Schwerpunkt auf den Business Case, der Reichweite und Grenzen des Projekts absteckt (seine Existenz und Wirksamkeit werden im IP-Prozess „Ein Projekt initialisieren“ überprüft)
- PRINCE2 bestimmt acht Prozesse und acht Komponenten, die auf die besagten Prozesse aufbauen

Bereiche

Verwaltung
- Informations-technologien und Kommunikation

Nicht auf einen bestimmten Bereich festgelegt

Keinem bestimmten Geschäftsbereich zugeordnet, das PMI hat aber die PMBOK-Version 2000 um die Bereiche Baugewerbe, Regierung und Verteidigung erweitert.
In der Praxis wird PMBOK hauptsächlich von Dienstleistungs-unternehmen (IT, Banken etc.) genutzt

Informationstechnologien und Kommunikation
Methodik jedoch in allen Bereichen anwendbar

Anwender

Jede Person, die sich für Projektmanagement interessiert

Erfahrene Spezialisten im Projektmanagement

 

Organisationen, die ein Referenzsystem für Projektmanagement bereitstellen möchten.
Für Projektmanagement zuständige Personen

Für Projektmanagement zuständige Personen

Bereiche

Verwaltung
Informations-technologien und Kommunikation

Nicht auf einen bestimmten Bereich festgelegt

Keinem bestimmten Geschäftsbereich zugeordnet, das PMI hat aber die PMBOK-Version 2000 um die Bereiche Baugewerbe, Regierung und Verteidigung erweitert.
In der Praxis wird PMBOK hauptsächlich von Dienstleistungs-unternehmen (IT, Banken etc.) genutzt

Informationstechnologien und Kommunikation
Methodik jedoch in allen Bereichen anwendbar

Zertifizierung

HSPTP: HERMES Swiss Project Team Professionnal 
HSPM: HERMES Swiss Project Manager 
Die Zertifizierungen sind 4 Jahre gültig.

IPMA-A: Certified Project Director
IPMA-B: Certified Senior Project Manager
IPMA-C: Certified Project Manager
IPMA-D: Certified Project Manager Associate
Die Zertifizierungen A bis C sind 5 Jahre gültig

PMP: Project Management Professional 
CAPM: Certified Associate in Project Management
Die PMP-Zertifizierung muss stets auf dem neuesten Stand gehalten werden, indem man ein gewisses Aktivitätsniveau im Projektmanagement vorweist

PRINCE2 Practitioner 
PRINCE2 Foundation

Modell

Das Modell setzt sich aus vier Elementen zusammen: Wer (Definition der Rollen), Was (Definition der erwarteten Ergebnisse), Wie (Definition der Phasen) & Planung
- Das Modell unterteilt sich in fünf Untermodelle: Projektmanagement, Risikomanagement, Qualitätssicherung, Konfigurations-management & Projektmarketing
- Die Realisierung des Projekts unterteilt sich in sechs Phasen, deren Ergebnisse systematisch dokumentiert werden, um eine Beschlussfassung (go next, redo, stop) zu ermöglichen

Ein Projektleiter sollte über 46 „Kompetenz-Elemente“ verfügen, die sich auf drei „Kompetenzbereiche“ verteilen:
- technische Kompetenzen für das Projektmanagement
- Verhaltens-kompetenzen einer Person, die in das Projekt eingreift
- Kompetenzen, die mit dem Kontext des Projekts in Verbindung stehen (Projekt / Programm / Portfolio)

 

Fünf mehr oder weniger sequenzielle Prozessgruppen:
♦ Beginn
♦ Planung
♦ Ausführung
♦ Überwachung & Kontrolle
♦ Abschluss
Jeder Prozess wird nach Zweckbestimmtheit, In- und Outputs beschrieben
- Die neun Wissensbereiche entsprechen den wichtigsten Fachbereichen des Projektmanagements:
♦ Integration des Projektmanagements
♦ Inhalts-, Umfangsmanagement
♦ Fristenmanagement
♦ Kostenmanagement
♦ Qualitätsmanagement
♦ Personalmanagement
♦ Kommunikationsmanagement
♦ Risikomanagement
♦ Beschaffungsmanagement
Organizational Project Management Maturity Model

OPM3): Bewertet die Reife einer Organisation und gliedert sich um drei Achsen (Knowledge, Assessment, Improvement)

Acht Prozesse beschreiben detailliert die Aktivitäten, die für einen erfolgreichen Projektverlauf erforderlich sind:
♦ Vorbereiten eines Projekts
♦ Lenken eines Projekts
♦ Initiieren eines Projekts
♦ Planung
♦ Steuern einer Phase

♦ Steuern eines Phasenübergangs
♦ Steuern der Produktlieferung
♦ Abschließen eines Projekts
- Die acht Bestandteile des Supports:
♦ Business Case (Aktualisierung während des gesamten Projekts)
♦ Pläne (Gesamt- und Detailplan)
♦ Kontrollen (nach dem Ausnahmeprinzip)
♦ Organisation
♦ Risikomanagement (Analyse)
♦ Qualität (qualitative Erwartungen der Kunden)
♦ Konfigurationsmanagement (im Sinne verbundener Versionierung und Dokumentation) - Veränderungsmanagement (Scope change)

Publikationen

Systementwicklung (2003)
Systemanpassung (2005)
Entwicklung von Bereitstellungsmethoden (TBD)

IPMA competencesbaseline

A Guide to the Project Management Body of Knowledge (PMBOK Guide)

Managing Successful Projects with PRINCE2 (The Stationary Office)

Sprachen

Französisch, Englisch, Deutsch, Italienisch

Englisch

PMBOK ist verfügbar auf Französisch, Englisch, Deutsch, Italienisch, Russisch, Chinesisch, Japanisch etc.

Die Methodologie existiert in 15 Sprachen, die Hilfsmittel sind jedoch meist in englischer Sprache verfass


Website

www.hermes.admin.ch www.ipma.ch www.pmi.org www.prince2.org.uk/web/site/home/Home.asp

Seminare

  www.ipmacourse.com www.pmiteach.org www.ogc.gov.uk/prince2/

Aktualisierung

11/07/2008 11/07/2008 11/07/2008 11/07/2008